Einmal im Monat ist es soweit: Wir feiern die Heilige Messe in der Kirche, dann gehen wir in die Jakobi-Kapelle, um gemeinsam das Stundengebet – eine lange klösterliche Tradition – zu pflegen. In Ordensgemeinschaften nimmt das Stundengebet einen wichtigen Platz im Tagesablauf ein. Zu festgesetzten Zeiten gibt es dem Tag einen heiligen Rhythmus.
Wie beten wir in der Jakobi-Kapelle?
Es ist eigentlich ein Chorgebet. Das heißt, wir teilen uns in der Kapelle einfach in ungefähr zwei Hälften (oder „Chöre“) auf, links und rechts in den Bänken. Ähnlich wie in einem Mönchschor, aber ohne Priester, der den Ton angibt, und ohne Rollenunterschiede zwischen den beiden Chören. Wir sind hier auf Augenhöhe.
Die Methode ähnelt dem Gebet anderer Ordensgemeinschaften: Wir beten die Psalmen versweise abwechselnd. Die Verse sind typischerweise mit „I“ und „II“ oder ähnlich markiert, und die Versmitte ist durch einen Stern gekennzeichnet, um das Lesen zu erleichtern.
Ein Vers wird von der linken Seite laut gelesen, dann der nächste von der rechten Seite, eingerahmt von einer Antiphon. Die Antiphon ist ein kleiner Leitvers, der vor dem Psalm von einer Person aus der Gemeinschaft gelesen und danach von allen gemeinsam wiederholt wird.
Diese Art des Gebets nennt man antiphonal oder wechselchörig. Und sie hat einen wunderbaren Nebeneffekt: Man muss sich konzentrieren, und es fühlt sich an wie ein Dialog – nicht nur mit Gott, sondern auch innerhalb unserer Gruppe. Mit unseren Stimmen unterstützen wir einander im Gebet, auch diejenigen, die aus irgendeinem Grund nicht alle Verse laut vorlesen können.
Warum beten wir Psalmen?
Beim Psalmgebet stolpert man über Verse, die man sich selbst nie ausgesucht hätte. Von tiefster Dankbarkeit bis hin zu handfestem Zorn oder Klage ist alles dabei. Es sprengt die Grenzen der eigenen Welt und holt einen in die Weite des göttlichen Wortes.
Wenn wir gemeinsam laut beten, leihen wir der Kapelle unsere Stimme. Es ist eine schöne klösterliche Tradition, und gerade heutzutage ist es besonders wertvoll, die Kirche mit gemeinsamem Gebet zu beleben.
Dieses gemeinsame Gebet ergänzt das persönliche Gebet, in dem man mit dem eigenen Anliegen vor Gott tritt. So erleben wir die alte klösterliche Tradition des Chorgebets und verbinden sie mit unserem heutigen Gemeinschaftsleben.
Das Ganze dauert ungefähr eine Viertelstunde. Das ist unser kleiner, heiliger Rhythmus einmal im Monat.
Es ist ein feierliches und öffentliches Gebet, und wir freuen uns immer, wenn Menschen, die (noch) keine Ordensmitglieder sind, mit uns in der Kapelle beten.
Foto und Text: Sr Nikoletta
Korrektur: Gemini/ChatGPT

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