Ein Tag der Dankbarkeit, des Staunens und der franziskanischen Freude an der Schöpfung:
Heute trafen wir uns als Gemeinschaft des Säkularen Franziskanerordens zu einem inspirierenden Bildungstag über den Sonnengesang des heiligen Franziskus von Assisi.
Schöpfung im mittelalterlichen Denken
In der mittelalterlichen Spiritualität galt die Schöpfung oft als gefährlich und unberechenbar. Der Mensch sah sich einer Natur gegenüber, die er kaum verstehen oder kontrollieren konnte. Erst allmählich lernte man zu erkennen, dass alles, was ist, wirklich von Gott stammt – und dass, wie es im Buch Genesis heißt, alles gut ist, was Gott geschaffen hat.
„Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen.“
– Hl. Franziskus von Assisi
Der Sonnengesang – ein Lied der Versöhnung und des Vertrauens
Der Sonnengesang entstand nicht auf einmal, sondern in mehreren Etappen des Lebens des heiligen Franziskus. Seine Struktur erinnert an die Schöpfungserzählung im Buch Genesis.
Besonders berührend: Franziskus dichtete dieses Lob Gottes in einer schweren Lebensphase, kurz vor seinem Tod. Trotz Krankheit und Dunkelheit fand er Worte des Dankes, der Freude und des Vertrauens.
Er sieht die Schöpfung nicht als Besitz, den man ausbeuten darf, sondern als Familie – mit Bruder Sonne und Schwester Mond, Bruder Wind und Schwester Wasser. In dieser geschwisterlichen Sprache drückt sich Franziskus’ tiefe Freude an der Vielfalt des Lebens aus – und seine Achtung vor der Unterschiedlichkeit von Mann und Frau, Bruder und Schwester.
Dass im Text Christus und die Dreifaltigkeit nicht ausdrücklich genannt werden, macht den Sonnengesang zu einem universellen Gebet, das Gläubige verschiedener Religionen miteinander teilen können.
Ein Workshop der Sinne und Symbole
Am Nachmittag erlebten wir einen kreativen Zugang: In einem Workshop sammelten wir auf einem Spaziergang Dinge aus unserer Umgebung, um daraus eine eigene Version des Sonnengesangs zu gestalten.Wir brachten unter anderem:
-
frische Luft – Zeichen des göttlichen Atems,
-
ein Foto eines Stolpersteins von Rosa Dicker – Erinnerung an Rosa Dicker,
-
herbstliche Blätter und Plastikreste – Symbol für Vergänglichkeit und Verantwortung,
-
Flugblätter über unsere kirchlichen Gemeinschaften,
-
Steine – Sinnbild für die Stadt und ihre Menschen,
-
Kiefernzapfen unter einem Weihnachtsbaum – Zeichen für Christi Geburt, aber auch für Konsumverhalten,
-
Werbematerial, das zur Wiederverwendung einlädt.
Diese Gegenstände legten wir symbolisch als Gebet vor Gott – dankbar, verbunden, und mit offenen Augen für die Schönheit und Zerbrechlichkeit der Welt.
Musik, Kunst und Betrachtung
Gemeinsam hörten und sangen wir verschiedene Vertonungen des Sonnengesangs (Link zur Playlist) und sahen kurze Filmabschnitte zur Vertiefung.Ein besonderes Highlight war das Gemälde von Sieger Köder: Wir entdeckten darin viele der Gestalten aus dem Sonnengesang und bemerkten, dass die Sonne fast wie Christus selbst dargestellt ist. Kein Zufall – Franziskus nennt sie „Herr“, und so wird sie zum Bild für den Schöpfer, der in seiner Schöpfung gegenwärtig ist.
Nachfolge heute – gelebte Geschwisterlichkeit
In der abschließenden Gesprächsrunde fragten wir uns, wie wir heute Franziskus nachfolgen können.
Was bedeutet es, alle Geschöpfe zu lieben und zu achten – besonders die Armen, Kranken und Menschen mit Behinderungen?
Ganz konkret sprachen wir über Barrierefreiheit als Ausdruck echter Geschwisterlichkeit: Wo können wir im Alltag selbst mithelfen, Hindernisse abzubauen und Teilhabe zu ermöglichen?
Warum das so wichtig ist
Heuer feiern wir 800 Jahre Sonnengesang – doch unser Interesse daran geht weit darüber hinaus.Denn, wie der heilige Bonaventura schreibt, es gibt mehrere Wege zu Gott:
-
durch die Heilige Schrift,
-
durch das innere Leben,
-
und durch die Schöpfung selbst.
So wird unsere Weiterbildung im Dritten Orden zu einer Schule der Heiligkeit, wie es unser Bildungsbeauftragter Bruder Walter Huber heute betonte.
Ein herzliches Dankeschön gilt Schwester Elisabeth Stepanek für die liebevolle Organisation und fürs leibliche Wohl (dank Pizza und Gemeinschaft!), sowie Pater Andreas Holler für die geistliche Begleitung des Tages.
Text (mithilfe von ChatGPT) und Fotos: Sr Nikoletta




Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen