Unsere monatlichen Termine und Gebetsanliegen - 2026

Jeden zweiten Samstag im Monat treffen wir uns in der Franziskanerkirche in Graz zur Hl. Messe. Als Inspiration nehmen wir die monatlichen G...

01/06/2026

Wenn Gott unsere Pläne umschreibt – Eine Nacht voller Überraschungen bei der Langen Nacht der Kirchen


Manchmal schmieden wir Pläne, und Gott lächelt darüber – nicht, um uns zu ärgern, sondern um uns etwas zu schenken, das wir selbst nie ausgesucht hätten.

So erging es uns bei der diesjährigen Langen Nacht der Kirchen in Graz. Eigentlich hatten wir einen ganz bestimmten Programmpunkt im Auge:

Wir wollten das Gospelchor-Konzert in der Heilandskirche besuchen. Voller Vorfreude machten wir uns auf den Weg. Doch vor Ort mussten wir feststellen, dass die Kirche keinen barrierefreien Zugang hat. Da mein Mann Rollstuhlnutzer ist, haben wir uns entschieden, unsere Pläne zu ändern.

Natürlich waren wir zunächst enttäuscht. Die Lange Nacht der Kirchen bietet viele interessante Programmen an, also wir beschlossen spontan, eine andere Kirche aufzusuchen. Unsere Wahl fiel auf den Grazer Dom, den wir seit seiner Renovierung noch nicht wieder besucht hatten.

Als wir ankamen, erwartete uns bereits die nächste Überraschung: Nur wenige Minuten später begann die Heilige Messe. Ohne es geplant zu haben, fanden wir uns plötzlich mitten in einer Feier der Eucharistie und Mut wieder. Wieder einmal wurde mir bewusst, wie oft Gott durch ungeplante Wege wirkt und wie reich solche scheinbaren Umwege sein können.

Nach der Messe nutzte ich die Gelegenheit, den Dom genauer zu betrachten. Besonders die große Vielfalt der Engel faszinierte mich. Überall begegnen sie einem und viele haben ihren ganz eigenen Ausdruck – manche wirken geradezu kurios oder sogar lustig. Es machte Spaß, die unterschiedlichen Darstellungen zu entdecken, und ich verbrachte einige Zeit damit, einige mit der Kamera festzuhalten.

Anschließend wollten wir noch einem Orgelprogramm lauschen. Allerdings stellte sich heraus, dass es im Dom sich nicht um ein Konzert handelte, sondern um eine Orgelführung. Das was mit dem Rollstuhl wieder nicht für uns. Also hieß es erneut: Plan ändern.

Unser nächstes Ziel war die Franziskanerkirche.

Dort angekommen, war das Orgelkonzert bereits im Gange, und gerade als wir Platz nahmen, erklang eines meiner liebsten Weihnachtslieder. Junge, talentierte Schülerinnen und Schüler präsentierten ihr Talent. Doch das eigentliche Geschenk des Abends wartete noch auf uns.

Direkt im Anschluss begann eine Veranstaltung mit Texten von und über den heiligen Franziskus. Begleitet wurde die Lesung von einem Franziskanerbruder und einer Franziskanerschwester, die meditative Gesänge aus Taizé musizierten.

Schon nach wenigen Minuten waren wir vollkommen gefesselt. Die Stimme des Vorlesers zog die Zuhörer in ihren Bann. Mit feiner Mimik und wenigen aber ausdrucksstarken Gesten verlieh er den Texten eine Lebendigkeit, die weit über das bloße Vorlesen hinausging. Die Worte des heiligen Franziskus und die Geschichte von seinem Leben wurden plötzlich greifbar und real.

Während ich zuhörte, musste ich an meine Studienzeit denken. Vor etwa fünfundzwanzig Jahren hatte ich selbst diese vertrauten Gesänge aus Taizége gesungen. Die Melodien öffneten eine Tür zu Erinnerungen und eine Reflexion. Die Lieder ließen mich darüber nachdenken, welchen Weg mein Leben seitdem genommen hat – wohin Gott mich geführt hat, welche Umwege notwendig waren und welche Überraschungen auf mich warteten.

Es war einer dieser seltenen Momente, in denen Zeit und Alltag für eine Weile verschwinden.

Ich hatte vor, einige Fotos zu machen. Aber die Atmosphäre war so berührend und zugleich so zauberhaft, dass ich es nicht stören oder zerbrechen wollte. Manche Augenblicke sind einfach nicht dafür bestimmt, festgehalten zu werden. Sie wollen erlebt werden.

Keiner der Programmpunkte stand ursprünglich auf unserem Plan aber sie haben uns beiden am tiefsten berührt. Mehrfach mussten wir umdenken, improvisieren und neue Wege suchen. Und gerade dadurch wurden wir an Orte geführt, die wir sonst vielleicht nie besucht hätten.

Die Lange Nacht der Kirchen erinnerte mich daran, was der heilige Franziskus so oft vorgelebt hat: Vertrauen bedeutet nicht, den Weg zu kennen. Vertrauen bedeutet, den nächsten Schritt zu gehen und sich überraschen zu lassen.

Und manchmal schreibt Gott die schönsten Geschichten genau dort, wo unsere eigenen Pläne enden.

Text: Sr Nikoletta (Korrektur: ChatGPT)

Foto: Sr Nikoletta


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